Warum eigentlich Knotenhalfter?

 

Immer wieder werden wir gefragt, warum wir mit dem Knotenhalfter arbeiten oder wie dieses tatsächlich funktioniert. Dabei kommen dann oft noch weitere Fragen auf wie:

 

  • Warum überhaupt gebisslos?

  • Warum keine andere gebisslose Zäumung?

  • Ist das Knotenhalfter nicht sehr scharf?

  • Kann ich mein Pferd gebisslos auch in Anlehnung reiten?

  • Kann jedes Pferd gebisslos geritten werden?

  • Wie sitzt das Knotenhalfter richtig?

 

Diese und einige andere Fragen möchten wir in diesem Artikel beantworten. Deshalb zunächst einmal zu der ganz allgemeinen Frage:

 

Warum überhaupt gebisslos?

 

Oft hört man hier Gründe wie „Das Pferdemaul ist viel zu sensibel, um ein Gebiss zu tragen.“

 

Das mag richtig sein, jedoch ist die Pferdenase nicht weniger sensibel. Das lässt auch darauf schließen, dass eine mechanische Hackamore mit langen Anzügen nicht weniger scharf ist als eine Kandare im Pferdemaul.

 

Neben seiner Empfindlichkeit hat das Pferdemaul allerdings noch andere Eigenschaften.

 

In erster Linie hat die Evolution das Pferdemaul zur Nahrungsaufnahme konzipiert. Das stellt uns zwangsläufig vor die Fragen: Was kann ein Fremdkörper im Pferdemaul bewirken? Regt er die Speichelproduktion an, wirkt er sich auf Sympathicus und Parasympathicus aus? Mit welchen anderen Körperfunktionen ist das Signal „Fremdkörper im Maul“ verknüpft?

 

Mit diesen und vielen weiteren Fragen hat sich der Tiermediziner Robert Cook in seinen Studien befasst. Wer sich hierfür interessiert, findet unter diesem Namen viele interessante Artikel zum Weiterlesen.

 

Darüber hinaus zeigt ein kurzer Blick ins Pferdemaul, was jeder Reiter problemlos und ohne Fachwissen feststellen kann: Eigentlich ist da drin doch gar kein Platz mehr. Oder?

 

Oft scheint es, als sei diese riesige Lücke zwischen den Zähnen nur für ein Gebiss gemacht. Was dabei oft vergessen wird ist, dass auch hier bei entspanntem Maul die Pferdezunge ihren Platz findet. Liegt das Gebiss dann erst einmal über der Zunge, ist plötzlich gar nicht mehr so viel Platz im Maul übrig.

 

Auch über einen weiteren Aspekt gibt der Blick ins Maul Aufschluss. Wer einmal vorsichtig mit einem Finger über die Laden seines Pferdes streicht wird feststellen, dass der Unterkieferknochen an dieser Stelle bei vielen Pferden dünn und beinahe scharfkantig ist.

 

Gleichzeitig gibt es hier wenig „Polsterung“, die einem festen Druck von Metall entgegenwirken könnte. Bei schmerzhaftem Druck auf die Laden reagieren viele Pferde damit, dass sie ihre Zunge zwischen die Laden und das Gebiss schieben. Das Resultat: Der scharfe Knochen drückt sich bei Zug am Gebiss schmerzhaft in die Unterseite der Pferdezunge.

 

Die Auswirkung sieht man leider nicht immer von außen, sondern oft erst bei einem Blick auf den Pferdeschädel: einige Pferde weisen an den Laden aufgrund von zu viel Gebissdruck bereits starke knöcherne Veränderungen auf, es sieht aus, als hätte der Knochen „gewuchert“, um die Auflagefläche zu vergrößern. Dass diese Veränderungen sehr schmerzhaft sein müssen, kann man sich leicht vorstellen. Viele dieser Pferde kann man dann gar nicht mehr mit dem Gebiss reiten.

 

Fazit: Im Pferdemaul ist für ein Gebiss streng gesehen gar kein Platz.

 

Dies alles nur als kurzen Anschnitt in dieses umfangreiche Thema. Eine umfassende und detailreiche Diskussion hierüber würde den Rahmen dieses Artikels allerdings sprengen.

 

 

Warum keine andere gebisslose Zäumung?

 

Unter den vielen gebisslosen Zäumungen, die wir bisher getestet haben, sind wir mit dem Knotenhalfter immer am zufriedensten gewesen.

 

Hier eine kurze Übersicht über die uns bekannten und von uns ausprobierten Zäumungen:

  

Flower, mechanische Hackamore oder LG-Zaum

 

Was diese drei verbindet ist die mechanische Hebelwirkung, die auf die Pferdenase wirkt.

 

Diese bewirkt, dass der Reiter automatisch „weniger in der Hand hat“ - das täuscht allerdings darüber hinweg, wie stark der Druck auf die Pferdenase tatsächlich ist. Eine Hebelwirkung wirkt also immer verfälschend auf das eigene Gefühl für den angewandten Druck. Während der Reiter mit feinsten Zügelhilfen sein Pferd lenkt kann er nicht mehr einschätzen, wie viel Druck dabei auf die empfindliche Pferdenase wirkt.

 

Das Stallhalfter

 

In dem Gedanken, dass ein gut sitzendes Stallhalfter doch eine sehr sanfte Zäumung darstellen müsse haben wir auch diese Variante mit unseren Pferden getestet.

 

Das Resultat war jedoch eindeutig: Durch die große Auflagefläche wird ein stärkerer Druck notwendig, um dem Pferd eine Zügelhilfe wirklich verständlich zu machen. Leichter Druck in die eine Richtung wirkt zunächst sehr unpräzise und das Pferd kann nicht genau differenzieren. Das lässt sich leicht nachvollziehen, wenn man eine Hand unter das Halfter legt und einen Helfer bittet, verschiedene Zügelhilfen zu geben.

 

Das Bitless Bridle

 

Diese Zäumung gefiel uns anfangs durch die Überkreuzführung sehr gut, da die Zäumung dem Prinzip gerecht wird, dass das Pferd dem Druck weicht und nicht in den Druck hinein geht. In der Praxis stellte sich jedoch schnell heraus, dass das „Zuziehen“ der Stränge zu einer Verzögerung beim Nachgeben führt. Ein leichtes Anziehen der Zügel wirkt sich zwar sofort in Form von Druck in die entsprechende Richtung aus, ein Nachgeben der Zügel wird allerdings verzögert, da die Stränge einige Sekunden brauchen, um sich wieder zu lockern.

 

Druck muss sofort nachlassen können, sobald das Pferd die gewünschte Antwort auf unsere Frage gibt – ein anhaltender Druck führt zu Verwirrung und wenig Präzision.

 

Das Sidepull

 

Ein von uns getestetes Sidepull mit einem Nasenriemen aus Rohhaut haben wir schnell zurück an den Nagel gehängt und danach nicht mehr benutzt: der harte und steife Nasenriemen hat bei unseren Pferden deutlich ablehnende Reaktionen hervorgerufen.

 

Später haben wir es mit einem weicheren Sidepull probiert (zwei weiche, aneinanderliegende Seilnasenriemen) und ebenfalls bei allen Pferden getestet. Das Ergebnis: Die Pferde haben sich schnell steif im Hals gemacht, da ihnen die seitliche Einwirkung der Zügel unangenehm und fremd war. Die Zügel des Knotenhalfters haken wir immer unter dem Kinn im großen Knoten ein, sodass bei einem nach rechts weisenden Zügel der Druck auf der linken Seite wirkt und das Pferd damit dem Druck weicht.

 

Beim Sidepull konnte der Zügel nicht durch das Schwingen des unteren Knotens sanft in die eine oder andere Richtung weisen, sondern die Zügelhilfe wirkte durch Zug auf die eine Seite. Möglicherweise ist auch das eine Frage der Ausbildung, aber für unsere Pferde haben wir uns dadurch vom Sidepull verabschiedet.

 

Das Bosal / Die kalifornische Hackamore

 

Einer der Gründe, warum wir uns gegen das Bosal entschieden haben, ist, dass auch hier eine gewisse Hebelwirkung beteiligt ist.

 

Darüber hinaus muss das steife Rohhautbosal exakt an den Pferdekopf angepasst sein und perfekt sitzen – was diese Zäumung sehr teuer macht.

 

 

Ist das Knotenhalfter nicht sehr scharf?

 

Jeder kennt es, keiner will es mehr hören: In den falschen Händen ist jede Zäumung scharf. So oft dieser Satz auch durchgekaut wurde, so richtig ist er bis heute. Ein guter Reiter wird mit einer Trense oder mit einer Kandare sein Pferd feiner, sanfter und zufriedener reiten können als ein schlechter Reiter mit jeder anderen Zäumung.

 

Grundsätzlich sollte gelten: Das Knotenhalfter ist zu handhaben, als sei es eine Kandare im Maul des Pferdes. Wie die Kandare sollte auch das Knotenhalfter am langen Zügel angewendet werden – Signalreiten ist hier das wichtigste Wort der Reitkunst.

 

 

Kann ich mein Pferd gebisslos auch in Anlehnung reiten?

 

Nein. Das gilt uneingeschränkt für jede gebisslose Zäumung, ganz egal, was der Hersteller sagt. Dauerhafter Druck gehört nicht auf die Pferdenase (und auch nicht in das Pferdemaul). Die gebisslose Zäumung wird wie die Kandare am langen Zügel geritten, eine Anlehnung ist hier fehl am Platz.

 

Das macht aber nichts! Viele Reiter scheuen sich vor dem gebisslosen Reiten, wenn sie hören, dass sie dann nicht in Anlehnung reiten können. „Da kann ich mein Pferd ja gar nicht mehr gesund reiten!“

 

Dieser Gedanke wird oft durch Reitschulen vermittelt und ist dabei vollkommen fehl am Platz. Rufen wir uns folgendes Bild vor Augen: Solange es möglich ist, ein Pferd ohne jegliche Zäumung, ohne alle Hilfsmittel in korrekter und gesunder Haltung zu reiten – und dass dies möglich ist, dafür gibt es zahlreiche lebendige Beweise – solange ist es auch möglich, mit jeder anderen Zäumung und ohne Ahnlehnung sein Pferd korrekt zu reiten.

 

Der Zügel ist nicht ausschlaggebend für die richtige Haltung des Pferdes, er hilft nur dem Reiter, schneller und leichter zu seinem Ziel zu gelangen.

 

 

Kann jedes Pferd gebisslos geritten werden?

 

Grundsätzlich: ja.

 

Die Frage der Zäumung ist immer auch eine Frage der Ausbildung. Ein Pferd, das sein Leben lang mit einer bestimmten Zäumung geritten wurde, kann ich nicht ohne weiteres von jetzt auf gleich mit einer fremden Zäumung reiten. Aber wenn ein Pferd lernen kann, auf die eine Zäumung zu reagieren, kann es auch lernen, auf die andere Zäumung zu reagieren: Es ist eine Frage von Geduld und sanfter Ausbildung.

 

Schwierige Pferde lassen sich nicht durch eine schärfere Zäumung „korrigieren“. Wer sein Pferd nur aufgrund seines schwierigen Temperaments mit einer schärferen Zäumung reitet, wird sein Leben lang nur Symptome behandeln, aber keine Probleme. Schmerzen oder die Möglichkeit, Schmerzen zufügen zu können, sollten niemals in der Ausbildung eines Pferdes eine Rolle spielen.

 

 

Wie sitzt das Knotenhalfter richtig?

 

Damit kommen wir zu einer der wichtigsten Fragen und einem Thema, das uns sehr am Herzen liegt.

 

Ein Blick auf den Pferdeschädel erklärt, warum so viel davon abhängt, dass eine Zäumung richtig sitzt.

 

Wir setzen eine Zäumung immer etwa zwei Finger breit unter dem Jochbein an. Das gilt nicht nur für das Knotenhalfter.

 

Der Grund dafür sind zwei Komponenten am Pferdeschädel, die besonders empfindlich sind: Der Processus rostralis (Schemazeichnung unten) des Nasenbeins und das Foramen infraorbitale im Oberkiefer. Der knöcherne Fortsatz des Nasenbeins (Proc. rostralis) kann bei zu starkem Druck leicht brechen – und dafür muss der Reiter keine harte Hand haben, es reicht auch, wenn das Pferd sich in einer Paniksituation auf die Zügel oder den Strick tritt.

 

Häufig hören wir: „Ich habe immer so tief aufgehalftert und es ist nie etwas passiert.“

 

Hier jedoch müssen wir leider sagen: Das kann der Reiter nicht wissen, denn auch kleinste Fissuren können bereits entstehen, ohne dass wir es bemerken.

 

Dies gilt nicht nur für das Knotenhalfter.

 

Durch die Öffnung (For. infraorbitale) des Unteraugenkanales treten Nerven und Blutgefäße aus, die durch den Druck der Knoten nicht gequetscht werden dürfen.

 

 

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